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Geltungsbereich: Was ist im Scope der Sustainability-Säule?

Was ist im Scope dieser Säule?

Die Sustainability-Säule des WAF++ adressiert alle Aspekte des Cloud-IT-Betriebs, die einen direkt messbaren Einfluss auf Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen haben.

Im Scope

Bereich Beschreibung Relevante Controls

Cloud Compute Emissionen

EC2, Lambda, Container, Kubernetes-Workloads — Energieverbrauch durch CPU, RAM, GPU

WAF-SUS-010, WAF-SUS-020, WAF-SUS-040

Software-Energieeffizienz

Algorithmen, Architekturmuster, Datenbankabfragen, Event-Driven vs. Polling

WAF-SUS-070

Cloud-Speicher-Emissionen

S3, EBS, Azure Blob, GCS — Energie proportional zu gespeichertem Datenvolumen

WAF-SUS-050

Netzwerk- und Datentransfer

Cross-Region-Transfer, CDN, Kompression, VPC Endpoints

WAF-SUS-080

ESG-Reporting & CSRD-Compliance

Datenerfassung, GHG Protocol Scope 3 Attribution, ESRS E1 Berichterstattung

WAF-SUS-090, WAF-SUS-010

Region- und Placement-Entscheidungen

Carbon Intensity der gewählten Cloud-Regionen

WAF-SUS-030

Workload-Scheduling

Zeitliche Verschiebung von Batch-Jobs in emissionsarme Fenster

WAF-SUS-060

Sustainability-Governance

Debt-Register, Quartalsreviews, Zielverfolgung

WAF-SUS-100

Außerhalb des Scope

Bereich Begründung

Bürogebäude-Emissionen

Gebäudeenergie, Heizung, Klimaanlage → Facility Management, nicht IT-Architektur

Mitarbeiter-Reisen

Dienstreisen, Pendeln → HR/Travel-Policy, sofern nicht IT-getrieben (Remote-First-Entscheidungen)

Hardware-Beschaffung on-premise

Embodied Carbon von Self-Managed Hardware → nur in Scope bei Hybrid-Szenarien mit IaC-Management

Produktnutzung durch Kunden

CO₂-Auswirkungen der eigenen Software auf Endnutzer-Geräte → Scope 3 Kategorie 11 der eigenen Kunden (upstream)

Supply Chain der Software-Lieferanten

CO₂-Footprint von SaaS-Lieferanten → außerhalb des direkt kontrollierbaren Bereichs

Hybrid-Szenarien (on-premise + Cloud) erweitern den Scope: Wenn on-premise Infrastruktur über IaC verwaltet wird, gelten WAF-SUS-Controls entsprechend für die IaC-gesteuerten Teile.

Brownfield vs. Greenfield

Greenfield: Neue Workloads und Services

Bei Neuentwicklungen kann Sustainability von Beginn an eingebaut werden:

  • ARM/Graviton-Instanzen von Anfang an (kein Migrationsaufwand)

  • Green Regions als Standard-Deploytarget

  • Lifecycle-Policies Teil des IaC-Templates

  • SCI als Qualitätsattribut in der Architekturüberprüfung

  • Batch-Scheduling auf Off-Peak eingestellt

Empfehlung: Für Greenfield-Workloads gelten alle WAF-SUS-Controls als sofort umsetzbar. Es gibt keine technische Rechtfertigung für x86-Standard oder infinite Retention bei Neuentwicklungen.

Brownfield: Bestehende Systeme und Legacy-Infrastruktur

Bei bestehenden Systemen ist eine Priorisierung nach Impact/Aufwand sinnvoll:

Priorität Maßnahme Begründung Control

1 – Sofort

Lifecycle-Policies auf S3/CloudWatch

Minimaler Aufwand, sofortige Wirkung, keine Kompatibilitätsrisiken

WAF-SUS-050

1 – Sofort

Non-Prod Scheduled Shutdown

Kein Code-Change nötig; typisch 60–70% Einsparung an nicht-Betriebszeiten

WAF-SUS-040

2 – Mittelfristig

Lambda auf arm64 migrieren

Meist keine Code-Änderung für Python/Node/Java; 20% Effizienzgewinn

WAF-SUS-020

2 – Mittelfristig

CDN und Kompression aktivieren

Konfigurationsänderung, kein Anwendungschange

WAF-SUS-080

3 – Projektbasiert

EC2-Instanzen auf Graviton migrieren

Kompatibilitätstest erforderlich; x86-Only-Binaries sind Blocker

WAF-SUS-020

4 – Strategisch

Region-Migration in grünere Regionen

Nur bei ohnehin geplanten Migrationen oder wenn Compliance-Anforderungen es erlauben

WAF-SUS-030

Sustainability vs. Cost Optimization: Wo sie sich überschneiden

Die Sustainability-Säule und die Cost-Optimization-Säule sind verwandt, aber nicht identisch:

Ausgerichtete Ziele (Win-Win)

Maßnahme Cost-Wirkung Sustainability-Wirkung

Idle-Ressourcen eliminieren

Direkte Kosteneinsparung

Direkte Emissionsreduktion

ARM/Graviton statt x86

20-40% günstiger bei gleicher Performance

20-40% weniger Energie pro Compute-Unit

Storage-Lifecycle Tiering

Günstigere Speichertiers

Weniger Energie in Hot-Storage-Tiers

CDN und Kompression

Reduzierte Egress-Kosten

Weniger Netzwerkenergie pro Anfrage

Spot-Instanzen für Batch

60-90% Kostenreduktion

Bessere Auslastung geteilter Infrastruktur

Divergierende Ziele (Sustainability > Cost)

Szenario Cost-Perspektive Sustainability-Perspektive

Green Regions wählen

Grüne Regionen (z.B. Stockholm) können teurer sein als US-East-1

Emissionsreduktion durch erneuerbare Energie überwiegt Kostenmehraufwand

CO₂-Offsets kaufen

Zusätzliche Kosten ohne Performance-Vorteil

Letztes Mittel zur Erreichung von Net-Zero-Zielen

CSRD-Berichtssystem aufbauen

Erheblicher Invest in Tooling und Prozesse

Regulatorische Pflicht; ohne diesen Invest drohen Strafen

SCI-Messung implementieren

Engineering-Aufwand ohne direkten Cost-Return

Voraussetzung für Emissionsreduktionsziele und ESG-Reporting

Cost Optimization und Sustainability sind strukturell ausgerichtet — aber Sustainability hat weitergehende Anforderungen (Reporting, Governance, CSRD-Compliance), die Cost Optimization nicht abdeckt. Beide Säulen sollten in der Praxis gemeinsam optimiert werden.

Regulatorisches Umfeld

Rahmenwerk Typ IT-Relevanz

EU CSRD

EU-Regulierung (Directive 2022/2464)

Pflicht für große Unternehmen ab 2025; Tochtergesellschaften ab 2026. Erfordert ESRS E1 (Klima) inkl. Scope 3.

ESRS E1

EU Sustainability Reporting Standard

Spezifiziert Offenlegungspflichten für Klimawandel; Scope 1/2/3 Emissionen, Reduktionsziele.

GHG Protocol

Internationaler Standard

Defacto-Standard für Treibhausgasinventar und -reporting. Basis für CSRD-Umsetzung.

SBTi (Science Based Targets)

Freiwilliges Commitment-Framework

Unternehmen verpflichten sich zu wissenschaftsbasierten Emissionsreduktionszielen (1,5°C-Pfad).

ISO 14001

Management-Norm

Umweltmanagementsystem; relevant als Prozessrahmen für Sustainability-Governance.

Green Software Foundation

Best-Practice-Organisation

Software Carbon Intensity (SCI) Standard; Carbon Aware Computing Patterns; praktische Leitlinien.

EU Taxonomy-Verordnung

EU-Regulierung

Klassifiziert wirtschaftliche Aktivitäten als "nachhaltig" oder nicht. Relevant für Investorenkommunikation.

Für CSRD-pflichtige Organisationen ist Sustainability-Reporting keine Best Practice, sondern eine gesetzliche Pflicht mit Sanktionspotenzial. Architekten und Engineers sollten die CSRD-Pflicht der eigenen Organisation kennen.