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Glossar (Cost Optimization)

FinOps (Financial Operations)

Operative Disziplin und Kulturpraktik, die Engineering, Finance und Business zusammenbringt, um fundierte wirtschaftliche Entscheidungen über Cloud-Ressourcen zu treffen. FinOps-Foundation: „FinOps is a portmanteau of 'Finance' and 'DevOps'. It’s the practice of bringing financial accountability to the variable-spend model of cloud."

TCO (Total Cost of Ownership)

Gesamtkosten über den vollständigen Lebenszyklus einer Infrastruktur oder eines Workloads. Umfasst: Infrastrukturkosten, Lizenzkosten, FTE-Betriebsaufwand, FTE-Entwicklungsaufwand, Vendor-Management, Exit-Kosten und Opportunitätskosten. Im WAF++-Kontext ist TCO die Pflichtbasis für jedes Cost-Impact-Assessment in ADRs.

Architektonische Kostenschuld (Architectural Cost Debt)

Wirtschaftliche Langzeitbelastungen, die durch vergangene Architekturentscheidungen entstanden sind, die zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht vollständig bewertet wurden. Analog zu technischer Schuld, aber in monatlichen Cloud-Kosten messbar. Beispiele: HA ohne SLO-Grundlage, Infinite Retention, Lock-in ohne Exit-Plan. Wird im Cost-Debt-Register dokumentiert und quartalsweise mit dem Architecture Board reviewed.

Cost Debt Register

Versioniertes Dokument (YAML oder Markdown) im Repository, das alle bekannten architektonischen Kostenschulden erfasst. Pflichtfelder je Eintrag: ID, Beschreibung, Owner, geschätzter Jahresauswirkung (€), Status (monitoring/paydown/accepted), Paydown-Plan oder Akzeptanz-Begründung.

Cost Allocation

Prozess der eindeutigen Zuordnung von Cloud-Kosten zu Workloads, Teams, Projekten und Umgebungen. Grundvoraussetzung für alle Optimierungsmaßnahmen. Technisch umgesetzt durch Tagging und Cloud-Provider-Billing-Tools (AWS Cost Allocation Tags, Azure Cost Management, GCP Labels + Billing).

Cost Center

Organisatorische Einheit, der Cloud-Kosten zugeordnet werden. Typischerweise ein Team, eine Abteilung oder ein Produktbereich. Im WAF++ Pflicht-Tag auf allen Cloud-Ressourcen.

Rightsizing

Anpassung der Ressourcendimensionierung (CPU, RAM, Instanztyp, Storage-Tier) an den tatsächlichen Bedarf auf Basis gemessener Auslastungsdaten (P95/P99). Ziel: Eliminierung von Überprovisionierung ohne Verletzung von SLO-Anforderungen.

Reserved Instances (RI)

Vorab-Commitment für Cloud-Ressourcen (typischerweise 1 oder 3 Jahre) im Austausch gegen Preisrabatte von 20–60% gegenüber On-Demand-Preisen. Geeignet für Baseline-Workloads mit >= 70% Auslastung. Risiko: Ungenutzte RIs verursachen trotzdem Kosten.

Savings Plans

Flexiblere Alternative zu Reserved Instances (AWS): Commitment auf Ausgabenbetrag/Stunde statt auf spezifische Instanztypen. Ermöglicht Rightsizing ohne RI-Verlust.

Spot Instances / Preemptible VMs

Günstige Cloud-Kapazität (bis zu 90% Rabatt) aus ungenutztem Provider-Pool, die jederzeit zurückgenommen werden kann. Geeignet für unterbrechbare Workloads (Batch, CI/CD-Jobs, Stateless-Services).

On-Demand

Standardpreismodell ohne Commitment. Höchster Preis, maximale Flexibilität. Für variable und unvorhersehbare Workloads; nicht für Baseline-Produktion ohne RI/SP.

Egress

Ausgehender Netzwerkverkehr aus einem Cloud-Kontext in das öffentliche Internet oder zu anderen Cloud-Providern. Wird von Cloud-Providern typischerweise pro GB abgerechnet; kann signifikante Kostenposition werden bei datenintensiven Workloads.

Data Gravity

Phänomen, dass große Datenmengen "schwer" werden – Workloads tendieren dazu, sich in der Nähe der Daten zu entwickeln, weil Datentransfer teuer und langsam ist. Wichtige strategische Überlegung in Multi-Cloud- und Migrations-Entscheidungen.

VPC Endpoint

Netzwerkverbindung, die den Zugriff auf Cloud-Dienste (S3, KMS, etc.) über das interne Cloud-Netzwerk ermöglicht, ohne Internet-Gateway. Eliminiert Internet-Egress-Kosten für Cloud-zu-Cloud-Kommunikation innerhalb desselben Providers.

CDN (Content Delivery Network)

Verteiltes Netzwerk von Edge-Servern, das statische Inhalte (Bilder, CSS, JS, Videos) näher am Endnutzer zwischenspeichert. Reduziert Egress-Kosten vom Origin und verbessert Latenz.

Chargeback

Interne Kostenumlageverfahren, bei dem Cloud-Kosten den verursachenden Teams/Projekten tatsächlich in Rechnung gestellt werden. Starker Anreiz für Cost-Ownership.

Showback

Wie Chargeback, aber nur informativer Art – die Teams sehen ihre Kosten, werden aber nicht tatsächlich belastet. Erster Schritt zur Cost-Awareness-Kultur.

Lifecycle Policy

Automatisierungsregel für Cloud-Storage-Ressourcen, die Objekte nach definierten Zeiträumen in günstigere Storage-Tiers verschiebt (z.B. S3 Standard → S3 Infrequent Access → S3 Glacier) oder nach Ablauf löscht. Wesentliches Werkzeug gegen Infinite-Retention-Kostenschuld.

Hot / Warm / Cold / Archive Tier

Storage- und Log-Tiering-Konzept: Hot (häufiger Zugriff, höchste Kosten), Warm (seltener Zugriff), Cold (sehr selten, günstig), Archive (Compliance-Langzeitarchivierung, geringstes Zugriffsbedürfnis). Im WAF++ obligatorisches Konzept für Log-Retention (WAF-COST-070).

Lock-in-Risiko-Score

Im WAF++-ADR-Prozess verwendete Bewertung (1–5) des Vendor-Lock-in-Risikos einer Architekturentscheidung. Score >= 4 erfordert Architecture-Board-Genehmigung. Score 1 = kaum Lock-in (Standard-APIs, open formats). Score 5 = starkes Lock-in (proprietäres Format, keine standardisierten Alternativen, hohe Exit-Kosten).

ADR (Architecture Decision Record)

Versioniertes Dokument, das eine Architekturentscheidung mit Kontext, Optionen, Entscheidung und Konsequenzen dokumentiert. Im WAF++ enthält jedes ADR mit Infrastruktur-Impact eine Pflichtsektion für das Cost-Impact-Assessment (WAF-COST-050).

Cost Impact Assessment

Strukturierte wirtschaftliche Bewertung einer Architekturentscheidung. Pflichtbestandteil des WAF++-ADR-Prozesses. Enthält: TCO-Schätzung, Lock-in-Risiko-Score, Datentransfer-Kostenschätzung, Betriebsaufwand (FTE), Exit-Kosten-Schätzung, 3-Jahres-NPV.

RI-Utilization

Auslastungsgrad der erworbenen Reserved Instances. Unter 80% bedeutet: bezahlte Kapazität wird nicht genutzt – klassische Architektonische Kostenschuld aus falscher Commitment-Planung.

Compute Optimizer / Azure Advisor / GCP Recommender

Automatisierte Cloud-Provider-Tools, die auf Basis von Auslastungsdaten Rightsizing-Empfehlungen für Compute-Ressourcen generieren. Input für monatliche FinOps-Reviews (WAF-COST-030).

FinOps Foundation

Non-Profit-Organisation, die das FinOps-Framework, Zertifizierungen und Best Practices für Cloud-Financial-Management standardisiert. Website: https://www.finops.org

NPV (Net Present Value / Kapitalwert)

Barwert-Berechnung zukünftiger Cashflows. Im Cost-Impact-Assessment der WAF++ wird ein 3-Jahres-NPV berechnet, der die Zeitwert-Komponente von Infrastrukturkosten berücksichtigt. Negative NPVs ohne entsprechenden Business-Value sind Kennzeichen hoher Architektonischer Kostenschuld.